Richtig fit vor der Jury

Richtig fit vor der Jury

Fachartikel von Dr. Holger Bengs. Steinbeis-Gründungsberater

Wer an einem Businessplan-Wettbewerb teilnimmt, hat natürlich die Chance auf den ersten Platz. Eine solide Geschäftsidee, ein sehr guter Businessplan, der die Gutachter überzeugt und das notwendige Quäntchen Glück gehören dazu. Häufig müssen sich die Besten einer Wettbewerbsrunde noch miteinander messen. Die Präsentation vor einer Jury vor erfahrenen Profis verschiedener Branchen gehört dazu. So ist es geschehen Anfang Juli im Jagdschloss Rüdesheim. Zum 16. Mal wurden die fünf Hauptgewinner des Science4Life Venture Cups in einem dreitätigen Workshop auf die raue Wirklichkeit und das Überzeugen vor einer Fachjury und Kapitalgebern vorbereitet.

Eine 15-minütige Präsentation will gut vorbereitet sein. Derjenige, der meint, nur mit den technischen Merkmalen seiner Geschäftsidee punkten zu können, baut häufig auf Sand. Bei aller wissenschaftlichen Begeisterung: Es kommt darauf an, die zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen, um umfassend zu überzeugen. Am Ende läuft die Uhr ab und der nächste kommt. Wer mit zu vielen wissenschaftlichen Details langweilt, der wird vorher schon „entlassen“. Die Jury hört vielleicht aus Anstand noch bis zum Ende zu. Der Venture Capitalist könnte da viel undgeduldiger sein. Zeit ist Geld.

Mit Fakten punkten

Die Produkte oder Dienstleistungen müssen eindeutige Vorteile gegenüber dem Wettbewerb haben. Die technischen Alleinstellungsmerkmale sind wichtig. Essentiell ist der Kundennutzen, der adressiert wird. Welches Werteversprechen geben Sie? Und können Sie das für den Zuhörer quantifizieren? Mit Ihrer Technologie werden Ressourcen und Budgets eingespart. Oder der Nutzer Ihrer Technik kann seine Produkte schneller produzieren – mit weniger Input bei gleicher Qualität. Das Alleinstellungsmerkmal muss klar herausgearbeitet werden. Wer hier belegbare Zahlen aufweisen kann, verschafft sich Vorteile beim Zuhörer.

Inhaltlich stellen die Kapitel eines Businessplans einen guten Leitfaden dar. Die hochkarätige Jurymitglieder von Science4Life, zum Beispiel Dr. Michael Brandkamp, der für Life Science zuständige Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF), aber auch Venture Capitalisten, haben noch ganz andere Fragen: Wie soll mit der Geschäftsidee Geld verdient werden? Wie wird das Produkt am Markt eingeführt? Wie groß ist der Markt? Welche Stärken hat Ihr Team und welche müssen eventuell noch durch neue Teammitglieder hinzugewonnen werden?

Die Eckdaten einer soliden Finanzplanung sollten darüber hinaus ebenso präsentiert werden wie die Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber zu erläutern sind. Die intern im Unternehmen vorhandenen Stärken und Schwächen sowie die externen Chancen und Risiken präsentiert man am besten in einer ausgewogenen SWOT-Analyse. Aber Vorsicht: Risiken gehören reduziert. Sie sollten die Maßnahmen dafür ebenso darstellen, um ein realistisches und fundiertes Bild als Gründer und angehender Unternehmer abzugeben.

 Mit Expertise überzeugen

Wer – nicht nur bei einem Businessplan-Wettbewerb – präsentiert, sollte überzeugen: Das betrifft auch das persönliche Auftreten, ein weiteres Kapitel im Buch der Tipps für wichtige Präsentationen, auf das an anderer Stelle eingegangen wird (in Kürze auf diesem Portal). Wer inhaltlich überzeugen will, der sollte besser darauf verzichten, alles rosa oder himmelblau zu zeichnen. Aussagen wie „wir haben keine Konkurrenz“ sind in der Regel genauso unglaubwürdig wie die exponentiellen Zuwächse beim Umsatz. Ein Kenner von Unternehmensgründungen kann häufig mit ein paar Fragen schnell entlarven, ob der Gründer eine realistische und belastbare Sicht auf die Zusammenhänge hat, oder ob es sich um zu Papier gebrachte Luftschlösser handelt.

Am Ende möchte ich Ihnen meine zwei wertvollsten Tipps schenken. Erstens: Bereiten Sie sich auf wichtige Präsentationen stets sehr gut vor und antizipieren Sie bohrende Fragen. Oftmals haben Sie nur die eine Chance und Sie sollten daher keine Präsentation vor Entscheidungsträgern auf die leichte Schulter nehmen. Und zweitens: Seien Sie authentisch und ehrlich. Niemand erwartet, dass Sie perfekt sind. Aber die Zuhörer möchten Ihnen Vertrauen schenken und lernen, dass Sie als Unternehmer in der Not die Probleme des operativen Alltags bewältigen können.

 Über Science4Life e.V.:

Der Science4Life Venture Cup ist eine bundesweite Initiative. Die Initiatoren sind das Bundesland Hessen und Sanofi, einer der weltweit größten pharmazeutischen Konzerne. Seit 1998 bietet diese Public-Private-Partnerschaft handfeste Unterstützung bei der Unternehmensgründung in den Feldern Agro, Biotechnologie, Chemie, Gesundheitswesen, Materialwissenschaft, Medizintechnik, Nanotechnologie, Pharma, Umwelttechnologie und seit Kurzem Erneuerbare Energien. Neben Präsenzveranstaltungen in ganz Deutschland bietet der Wettbewerb u.a. ein Handbuch zum Schreiben eines Businessplans und Webinare zu Themen wie Finanzierung, Patente, Marketing, Teambildung und vieles mehr. Die Teilnahme ist kostenlos. Basis der Initiative ist das ehrenamtliche Netzwerk aus weit über 200 Gutachtern und Coaches aus über 100 Unternehmen und Organisationen, darunter auch viele Science4Life-Alumni, die heute ihre Gründererfahrung an die nächsten Generationen weitergeben.

Der 17. Science4Life Venture Cup hat am 1. September 2014 seinen Startschuss. Einsendeschluss für die erste Phase, die Ideenphase, ist der 24. Oktober 2014.

Dr. Holger Bengs ist seit dem Start von Science4Life als Coach und Gutachter im Netzwerk tätig. Seit zwölf Jahren trainiert er am Tag vor der Jurysitzung die fünf Hauptgewinner und feilt inhaltlich an der Präsentation sowie der Performance der Gründer.

Mehr Informationen und Downloads unter www.science4life.de.

 

Foto: Fotolia

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