Unternehmerpersönlichkeit als Erfolgsfaktor

Laut dem KfW-Gründungsmonitor 2014 wagten in Deutschland im Jahr 2013 868.000 Gründer den Schritt in eine selbstständige berufliche Zukunft. Die Studie fand auch heraus, dass rund zwei Drittel der Gründer alleine als Soloentrepreneure starten. Für Gründer sind die Unterstützungsangebote sehr vielfältig und teilweise auch unübersichtlich. So verfügen zum Beispiel die Wirtschaftskammern über ein bundesweit verfügbares Erstberatungsangebot rund um das Themenfeld Existenzgründung. Der Blick in die Curriculi der klassischen Angebote der Gründungsberatung offenbart aber, dass hier in der Regel das Gründungskonzept, der Businessplan im Fokus der Beratung steht. Die Gründerperson taucht hier meistens nur mit ihren fachlichen Qualifikationen auf.

Selbstverständlich ist ein aussagekräftiges und tragfähiges Konzept für jedes Start-Up von essentieller Bedeutung. Dient es doch dazu, Finanzierungs- wie Geschäftspartner vom eigenen Vorhaben zu überzeugen, damit der Start des neuen Unternehmens gelingt. Doch was passiert danach, wenn der Gründer bzw. die Gründerin nach erfolgreicher Finanzierungsrunde beginnt, die neue Rolle als UnternehmerIn aktiv auszufüllen?

Die meisten Gründer starten aus einem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit. Das bedeutet, sie haben im Rahmen ihrer Berufstätigkeit als Fach- oder Führungskräfte bereits berufliche Erfahrung gesammelt. Sie kommen aus einer in der Regel arbeitsteilig organisierten Berufswelt und haben sich in ihrem Bereich bzw. ihrer Abteilung im Idealfall laufend entsprechend der beruflichen Anforderungen qualifiziert und spezialisiert.

Insbesondere Soloentrepreneure sind gefordert, sämtliche Bereiche ihres Unternehmens zu überblicken bzw. aktiv handelnd voranzubringen. Nun fällt es leicht zu erkennen, dass sich alleine die fachlichen Anforderungen je nach Unternehmensbereich sehr stark unterscheiden. Der Gründer sieht sich mit seinen individuellen fachlichen Fähigkeiten genau dieser Vielfalt unterschiedlicher Anforderungen gegenüber. Ist er doch CEO, CFO, CMO, CIO und CTO*) und deren Team in Personalunion. Ist das Ableiten fachlicher Defizite für ein erfolgreiches Handeln in den einzelnen Unternehmensbereichen noch relativ leicht, ist die Analyse der Anforderungen an die überfachlichen Fähigkeiten des Gründers/der Gründerin um ein Vielfaches schwieriger.

Warum der Blick auf die überfachlichen Fähigkeiten unbedingt erforderlich ist, zeigt eine Untersuchung von FOCUS-MONEY, nach der der berufliche Erfolg nur zu 50% auf Fachkompetenz basiert und die anderen 50% im Bereich von überfachlichen individuellen Fähigkeiten der Person anzusiedeln sind (Quelle: FOCUS-MONEY online, 26.01.2007, „Erfolgsgaranten Soft Skills“). Im Rahmen der klassischen Angebote der Gründungsberatung spielen die überfachlichen Fähigkeiten der Gründerperson, wenn überhaupt, eine nachgelagerte Rolle. Dabei ist gerade in der Vorgründungsphase ein Blick auf die Kompetenzbiographie (Kompetenzen hier im Sinne überfachlicher Fähigkeiten) des Gründers entscheidend. Nur so gelingt die Entwicklung eines Geschäftskonzeptes und einer Unternehmensorganisation, die auch zur Gründerpersönlichkeit passt. Weiß der Gründer um seine überfachlichen Fähigkeiten und somit Stärken, wird er daraus sein eigenes Kernkompetenzfeld im entstehenden Unternehmen präzise definieren können. So entsteht das Unternehmenskonzept als Maßanzug, dessen Schnittmuster die individuellen fachlichen und überfachlichen Fähigkeiten des Gründers sind. Der Gründer kann so bewusst entscheiden, in welchen Bereichen er für sich eine individuelle Erweiterung seiner Fähigkeiten anstreben möchte. Oder wo er durch Zukauf von Dienstleistungen und/oder Mitarbeitern die noch notwendigen Kompetenzfelder im eigenen Unternehmen besetzt.

Im Rahmen der Vorgründungsberatung des Steinbeis-Beratungszentrums Existenzgründung erfolgt die Analyse überfachlicher Fähigkeiten der Gründerperson anhand des wissenschaftlichen Verfahrens KODE® (Kompetenzdiagnostik und -entwicklung). Die biographische Auswertung gibt dem Gründer einen detaillierten Überblick über seine aktuellen überfachlichen Fähigkeiten. Darüber hinaus erfährt der Gründer, wie er sich diese Fähigkeiten in der Vergangenheit angeeignet hat. Der Gründer bzw. die Gründerin kann so im Abgleich mit den zukünftigen Anforderungen den eigenen individuellen Entwicklungsplan aufstellen. Er oder sie wird so den zukünftigen Anforderungen aus der Rolle als UnternehmerIn gewachsen sein. Über die Einbindung externer Kompetenzen kann im Rahmen dieser kompetenzorientierten Vorgründungsberatung zu einem frühen Zeitpunkt entschieden werden und nicht erst dann, wenn ein Mangel durch das Ausbleiben des Unternehmenserfolges sichtbar wird.

*) Erklärungen:

CEO: Chief Executive Officer, Geschäftsführer oder Vorstand eines Unternehmens oder Vorsitzender der Geschäftsführung oder des Vorstands

CFO: Chief Financial Officer, kaufmännischer Leiter eines Unternehmens

CMO: Chief Marketing Officer, Hauptverantwortlicher für das Marketing eines Unternehmens

CIO: Chief Information Officer, Verantwortlicher für das Informations- und Kommunikationsmanagement in einem Unternehmen

CTO: Chief Technical Officer, leitender Ingenieur eines Unternehmens

Kontakt

Markus Riehl

Steinbeis-Beratungszentrum Strategisches Kompetenzmanagement
markus.riehl@stw.de 

Dieser Artikel wurde ebenfalls in „Zukunft gestalten – das Magazin für Unternehmer und Führungskräfte“, Ausgabe 03/2015 publiziert.

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